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Herbsttreffen des DKW-Clubs
Wenn es am schönsten ist, soll man gehen, lautet eine Volksweisheit. Etwas abgewandelt könnte man vielleicht auch sagen: Bevor man fährt, sollte es einen Höhepunkt geben. So geschehen beim diesjährigen Wochenend-Herbsttreffen des DKW-Clubs vom 17. bis 19. September. Ehe sich am Sonntagmittag nach einem schmackhaften Mal im „Restaurant“ Seeblick in Trebus die DKW-Freunde wieder auf den Heimweg begaben, waren sie zu Gast im „Fliegenden Museum“ auf dem Flugplatz Fürstenwalde. Hier konnten die Teilnehmer des von Heidrun Theidel und Andreas Ullmann organisierten Treffens eine umfangreiche und sehr beindruckende Sammlung von Modellflugzeugen bewundern: Im Massstab 1:4 gefertigte Nachbauten historischer Flugapparate aus den Anfängen der Fliegerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese von Harald Lohmann mit Unterstützung seiner seit 52 Jahren angetrauten Frau Elsa in Jahrzehnten mit einer bewundernswerten Perfektion und Detailtreue gefertigten Flieger sind allesamt flugfähig und ein Exemplar wurde sogar bei Wettkämpfen in den USA mit einem Weltmeistertitel gewürdigt. Das Grösste, sowohl im eigentlichen als auch im übertragenen Sinn, an dem Harald Lohmann seit fünf Jahren arbeitet, ist aber eine originalgetreue Nachbildung der berühmten Taube von Igo Etrich, die 1910 in Berlin-Johannisthal gebaut wurde. Dieser mit beschichteter Baumwolle bespannte Zweisitzer mit einer Spannweite von 14 Metern wird von einem 185 PS starken Motor angetrieben. Im Oktober will sich das Ehepaar damit in die Lüfte erheben. Schon wegen dieser Sehenswürdigkeiten hätte sich die Fahrt zum DKW-Ausflug nach Bad Saarow-Pieskow gelohnt. Die rundherum gelungene und mit einem phantastischen Wetter gesegnete Veranstaltung brachte aber für die 42 Teilnehmer mit ihren 22 Fahrzeugen noch einiges mehr. So bot die Rundfahrt am Sonnabend von 9 Uhr bis gegen 18 Uhr über Müllrose, Eisenhüttenstadt, Neuzelle und Beeskow interessante Erlebnisse und kulinarische Genüsse. In Müllrose führten der Geschäftsführer Ernst Scharath und der Produktionsleiter Winfried Blume durch die grösste Mühle Brandenburgs mit einer Mühlentradition seit 1260, die Oderland Mühlenwerke GmbH & Co. KG, in der 42 Mitarbeiter beschäftigt sind. Mit moderner, aber auch betagter Technik, wie Walzenstühlen aus dem Jahr 1942 der Firma Bühler (vormals MIAG), werden hier täglich 200 Tonnen Getreide zu Qualitätsmehl vermahlen. Von Müllrose aus ging es nach Vogelsang. Hier empfing Burkhard Böttcher aus dem benachbarten Ziltendorf, dem Heimatort Heidrun Theidels, auf dem Gelände des Mineralöl- und Schmierstoffhandels Rainer Fettke die Reisenden mit einer leckeren Erbsensuppe mit Bockwurst und Getränken. So gestärkt begab sich der Tross nach Eisenhüttenstadt zum Ortsteil Fürstenberg. Dort führte Monika Müncheberg die DKW-Fans durch die Nikolaikirche. Dieses spätgotische Bauwerk, dessen Grundsteinlegung 1400 erfolgte, wurde während des Zweiten Weltkrieges fast völlig zerstört. Anfang der 60er Jahre erfolgte ein teilweiser Wiederaufbau. Die Instandsetzung, die eine Nutzung des Gotteshauses ermöglichte, geschah erst nach der Wende. Bei der Sanierung des Fussbodens fand man übrigens den Leichnam eines Bürgermeisters aus dem 15. Jahrhundert, in dessen Brust ein abgesägter Holzpfahl steckt. Seit dem wird gerätselt, wie das Holzstück da hingekommen ist. Nachdem in geruhsamer Atmosphäre die Erbsen verdaut waren, hiess es, die Turmtreppen zu erklimmen. In luftiger Höhe angekommen, erläuterte Horst Müncheberg das sich bietende Panorama. Dabei erfuhren die Anwesenden auch, dass die Bevölkerung von Eisenhüttenstadt von einst knapp 60 000 auf 38 000 Einwohner geschrumpft ist. Das nächste Reiseziel war die von Helmut Fritsche geleitete Brauerei Neuzelle. Gerda Breske und Eva Phillip führten durch den Betrieb, der aufgrund des Streites um die Bezeichnung Bier für den „Schwarzen Abt“ berühmt wurde. Leider war die Besichtigung sehr, sehr theoretisch und trocken. Da nur von Montag bis Freitag gearbeitet wird, gab es nur leere Apparaturen zu sehen. Auch eine Bierverkostung war nicht im Programm. Da war es wenig tröstlich, gesagt zu bekommen, dass jeder Mitarbeiter pro Arbeitstag fünf Flaschen Bier erhält. So blieb denn nur die Möglichkeit, ein paar Flaschen des Gebrauten in dem angrenzenden Laden zu kaufen. Einschliesslich Radler und Malz wurden 14 Sorten angeboten. Darunter befanden sich auch Drei-Liter-Flaschen Badebier als Zusatz für die Wanne zur Förderung von Schönheit und Gesundheit. Nachdem einige Teilnehmer des Herbsttreffens noch die barocke Klosterkirche in Augenschein genommen hatten, wurde mit durstigen Kehlen die Bremsdorfer Mühle angesteuert, um sich an Käsetorte und Kaffee zu laben. Über Beeskow führte anschliessend die Tour wieder zurück nach Pieskow zur am Scharmützelsee gelegenen Jugendherberge, die für das Wochenende als Quartier diente. Zum Abschluss des Tages war dann ein etwas längerer Fussmarsch zur Abendveranstaltung in das Restaurant „Drei Stuben“ zu absolvieren. Nach dem reichhaltigen und schmackhaften Abendessen konnten die DKW-ler dort die zu sich genommenen Kalorien beim Bowling wieder abtrainieren. Zur guten Stimmung an diesem Wochenende hat neben der gelungenen Organisation und dem herrlichen Wetter sicherlich auch die Begrüssung am Freitag beigetragen. Die Organisatoren Heidrun Theidel und Andreas Ullmann empfingen die Anreisenden mit Kaffee, selbstgebackenen Kuchen und Kümmerlingen. Henry Wolski hatte ein Fünf-Liter-Bierfass mitgebracht, das er eine Woche zuvor für den 2. Platz beim „Kampftrinken“ auf dem Burg- und Brauereifest mit Oldtimern im erzgebirgischen Rechenberg-Bienenmühle bekommen hatte. So liess es sich mit den nach und nach eintrudelnden Oldtimerbesatzungen gut plaudern, bis zum Abendbrot gerufen wurde. Unter den 22 schmucken Fahrzeugen F5, F8, F9, P70 und W311, mit denen die Teilnehmer zum Herbstreffen reisten, stand besonders das DKW F5 Luxus Cabrio des Baujahres 1935 von Hagen Erbe aus dem Harz gelegenen Braunschwende in Mittelpunkt des Interesses und der Bewunderung. In mehrjähriger Restaurierungsarbeit entstand mit Unterstützung von Werkstätten und Oldtimerfreunden aus einem unansehnlichen und unvollständigen alten Auto ein bis ins letzte Detail originalgetreu restauriertes Schmuckstück in den Farben beige und schwarz. Und dass das Wägelchen nicht nur gut aussieht, sondern auch technisch einwandfrei funktioniert, erwies sich bei der Ausfahrt. Diese Jungfernfahrt bestand das Cabrio mit Bravour.
Dietmar Streuber
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